Montréal im Herbst

Morgen erwartet Montréal eine Tageshöchsttemperatur von minus 8 Grad. -8! Höchsttemperatur! Tja. Während meines jüngsten Besuchs war das noch anders: Die Oktobersonne hat meine Nase in ein hübsches Indian-Summer-Rot verwandelt. Es mag Wehmut sein, oder einfach die schöne Erinerung, weshalb ich jetzt einige Fotos aus „der so europäischen Stadt“, wie kanadische Freunde betonen, poste.

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Ich habe Crack geraucht

„Yes, I have smoked crack cocaine.“ Torontos Bürgermeister Rob Ford hat gestanden. Allerdings habe er „in one of my drunken stupors“ geraucht. Ford gibt den reuigen Sünder, den Suffkopf, der jedoch kein Süchtiger sei. „To the residents of Toronto, I know I have let you down and I can’t do anything else but apologize and apologize, and I’m so sorry,“ sagt er. Ein Geständnis nach sechs Monaten lügen und leugnen.pic Rob Ford und Crack

Endlich war ein 90 Sekunden lange iPhone-Video aufgetaucht, das Ford mit einem Crackpfeifchen zeigt. Außerdem lallt er in rassistische und schwulenfeindliche Sprüche. Vor Fords Geständnis hatte Polizeichef Bill Blair mitgeteilt, die Polizei sei im Besitz des Filmes. In Polizeiunterlagen wird detailliert dargestellt, wie Fords Freund, Gelegenheitsfahrer und mutmaßlicher Drogendealer Alexander Lisi versucht hat, das Video zu finden – um es verschwinden zu lassen. Auf Fotos ist zu sehen, wie Lisi seinem Boss Päckchen zusteckt. Weiterlesen

Salgados romantische Genesis

Sebastiao Salgado ist einer der bedeutendsten Fotojournalisten und hat sich vorwiegend sozialen Themen gewidmet. Er berichtete über Goldsucher in Amazonien, über die Bewegung der Landlosen in Brasilien, über die Gräuel von Ruanda.DSC_9346

Seit einigen Jahren fotografiert Salgado Tiere, Landschaften und Indianer. Entstanden sind wunderbare Schwarzweißfotos, die betören. Weiterlesen

Ai Weiwei auf Besuch in Toronto

Ai Weiwei ist doch der, der eine Ming-Vase fallen ließ? Das ist schon richtig. Und der eingesperrt wurde, weil er angeblich Steuern nicht bezahlt hat? Der sich selbst fotografiert hat, nachdem Polizisten ihn verprügelt hatten? Alles richtig.DSC_9240

Doch Ai Weiwei ist in meinen Augen vor allem der, der bedrückend und eindrücklich an die mehr als 5.000 Kinder erinnert, die beim Erdbeben 2008 in China starben, weil schlecht gebaute Schulgebäude einstürzten. Weiterlesen

Meine 10-Dollar-Zukunft

Die Zukunft. Was würde ich dafür geben, wüsste ich, wie sie aussieht. „Die Glaskugel ist natürlich am besten. Der Blick kostet 40 Dollar. Tarot-Karten legen 30 Dollar“, sagt Jenna. Für läppische 10 Dollar beim Palm Reading dürfe ich nicht zu viel Wahrheit erwarten. Da könne sie zwar in meine Zukunft sehen, nicht aber in die anderer Personen, (was freilich spannend wäre).DSC_9431

„Helps in all Problems“ (sic), „Psychic Reader and Advisor“, hat es mir an der Dufferin Street in bunt flimmernden Leuchtschrift zugerufen. Cristal balls, tarot cards, palm reading. „Walk right in“. Genau das brauche ich, so ratlos wie ich bin. Also saugt mich Jennas 10-Quadratmeter-Klause ein. Weiterlesen

Bauboom in der Höhe: Brüder, zur Sonne

Toronto strebt nach Höherem. Die Stadt will hoch hinaus. Jeder, der kann, reckt sich gen Himmel. Nirgends in Nordamerika drehen sich mehr Baukräne als hier, sagt ein Reiseführer. Freilich sind diese nicht die zuverlässigste Informationsquelle, wir nehmen die Tatsache leichter Hand als Fakt und legen die Köpfe in den Nacken. DSC_7952

Wohnturm um Wohnturm wächst in Toronto empor. Bevorzug freilich dort, wo der See nicht weit ist und der Blick vordergründig unverbaubar ist. Stahl, Glas, Beton und Beton, Glas und Stahl. Weiterlesen

Plötzlich NY? Klappe, wir drehen!

Ich bin dann mal kurz weg. In New York City. Das ist gar nicht weit. Ich radele lediglich die Yonge Street ein paar Blocks nach Süden, schon bin ich dort. Gelbe Taxis im Straßenbild. „US today“, „New York Times“ und „US Herald“ sind druckfrisch zu haben, der „Toronto Star“ nicht. Irgendwas stimmt nicht. Warum tragen Polizisten kanadische Uniformen? Ein halbseidener Traum, eine Sehnsucht nach Big Apple?DSC_8900

Ich will heute überhaupt nicht nach NYC, ich bin vielmehr aus Versehen hier gelandet. Ich bin mitten in Dreharbeiten zur US-TV-Serie „Suits“ gestolpert. „Geh aus dem Bild!“, werde ich prompt angeblafft. Klappe. Weiterlesen

Melancholie auf Torontos Islands

Die Torontonians lieben ihre Islands. Mugg’s und Algonquin, South und Forestry, Ward’s und Centre Island, Snake und Olympic, sie alle werden geherzt. Tausende Stadtmenschen schaukeln an warmen Sommertagen auf Fähren hinüber. Kinder fahren in „Centreville“ Karussell, Freizügige lassen hinterm Gibraltar Point die Hüllen fallen, weil dort der Badeanzug nur „optional“ zu tragen ist.Toronto Islands Lifeguard

Doch bei all der bunten Sommerfrische bergen die Inseln Melancholie. Zumindest kann man sie einfangen, beobachtet man gelangweilte Lifeguards, die dem Feierabend um 6.30 pm entgegenfiebern. Weiterlesen

Kanada, Land des Südens

Eine Feststellung: Kanada ist ein Land des Nordens! Des Nordens? Denkste! Pustekuchen, Quatsch mit Soße, geballtes Unwissen, grober Unfug. Gut, Kanada streckt sich so weit in den Norden, bis es nur noch südwärts weitergeht, also fast bis zum Pol. Aaaaaber, der bewohnte Teil der Nation liegt im Süden.DSC_7461

Rasch am Globus gedreht: Toronto liegt auf einer Höhe mit – trara – Florenz. 43 Grad 4x Minuten. Mit diesem Wissen ausgestattet kann man diese Frage leicht beantworten: Warum ist der Sommer in Ontario mollig warm bis brütend heiß? Eben. Weiterlesen

„Police have no right to murder“

Sammy Yatim ist tot. Erschossen von einem Polizisten. Es ist Freitag kurz nach Mitternacht, der 18-Jährige steht in der Tür einer leeren Straßenbahn, er hat ein Messer in der Hand. Mehrere Polizisten umstellen das Fahrzeug. „Lass das Messer fallen“, rufen sie: „Lass das Messer fallen!“ Plötzlich fallen drei Schüsse. Nach wenigen Sekunden sechs weitere Schüsse in schneller Folge. Sammy sackt zusammen. Zwei Polizisten hasten zum Verletzen und setzen ihre Elektroschocker ein. Der Junge ist tot.Bild 1Neun Schüsse. Auf einen Jugendlichen, der keine Gefahr ist. Der die Polizisten zwar mit „Fucking pussy“ beschimpft, aber nicht angreift. Warum musste Sammy sterben? Diese Frage bewegt Toronto. Weiterlesen