Fahrspaß trotz Stecker?

Es gibt Autobauer, die lassen es so richtig krachen. Bughatti ist so ein Kandidat. 1200 PS wurden in den Veyron gepackt und das Ding geht ab: Null auf Hundert in 2,6 Sekunden, null auf Dreihundert in 16. Topspeed: 410.  Bughatti laviert nicht. Bughatti sucht nach keinem Öko-Männtelchen. Bughatti steht für Exzess – und will es auch.DSC_9891

Aston Martin macht es genauso, nur ein weniger dezenter. 517  PS genügen beim CC100 für 306 Km/ha. Auch hier bürgt der Name für Sprit verschlingende Raserei.Und was macht Porsche? Baut einen 918 Spyder – mit Stecker! Macht hier ein Sportwagenbauer auf Öko? Rennfahrerlegende Walter Röhrl hat den Wagen in 6 Minuten 57 Sekunden über den Nürburgring gepeitscht. Er schwärmt, als hätte er nie etwas Geileres gefahren. „Der geht ab wie eine Rakete!“

Auf der Autoshow IAA in Frankfurt prallen zwei Autowelten aufeinander: Neben den Durchschnittsauto für Familien, Jungvolk, gesetzte Herren und SUV-Liebhaber fallen die Luxussportwagen auf, neben denen sich langbeinige Modells räkeln. Siehe Bughatti und Aston Martin. Ferrari, Maserati steht dem in nichts nach. Und es gibt die Fraktion derer, die sich mit Elektromobilität befassen. Siehe Porsche. Mercedes, BMW, VW und Audi mischen hier auch mit.DSC_9992

Exzess trifft Elektro. Was die beiden Fraktionen wollen, könnte unterschiedlicher nicht sein. Oft verläuft der Riss mitten durch einen Konzern.

Der Exzess-Fraktion geht es auf der IAA nicht ums Verkaufen. Unter der Masse der Besucher sind kaum Millionäre. Der Fraktion geht es ums Image, um Faszination und Legende. Langhaar- und beinige Modells räkeln sich so verführerisch über dem Lack, dass man ins schleudern kommt, was erotischer ist: Frau oder Auto. Männerherzen schlagen höher. Wegen beidem, Frau und Auto.DSC_9998

Wo sonst als auf einer Autoshow darf man seinen Mittelschicht-Hintern in einen Ferrari gleiten lassen! Man sitzt recht bequem, sehr tief. Es verfordert etwas Übung, sich cool aus solch einem Wagen zu schwingen und nicht ächzend zu klettern. Wo sonst darf man einen Aston Martin befingern (wobei eiligst ein Mensch mit Feudel, Spray und Lappen kommt, die Fingerabdrücke wegzuwienern).  Der Lack fühlt sich übrigens auch nicht anders an als beim Golf. Probe fahren? Vergiss es!

Wo sonst darf man im Mercedes SLS AMG hocken und vergeblich versuchen, die Flügeltür zu schließen! Das ist nicht so einfach. Doch hier verschwimmt die Grenze zwischen Exzess und Elektro. Der weiße Wichtigtuer mit seinen in die Luft gereckten Flügeln ist ein Elektroauto! 250 Km/h Spitzengeschwindigkeit ist Exzess. 0,0 Liter Verbrauch ist Elektro pur. Auch der Porsche 918 ist ein verkappter Stromer, auch wenn man dort nicht rein sitzen darf, und der Wagen ein Hybrid mit Benzin- und Elektromotor ist.IMG_2526

Beide geben sich als exzessive Sportwagen aus und verbergen, dass sie öko sind. Erotisch ist es schließlich nicht, die Stecker anzugucken, mit denen Autos an Ladesäulen gestöpselt werden. Und die aufgeschnittenen Motoren und gläsernen Motorhauben sind auch nur für Experten interessant. Aha, da fehlt also der Motorblock. Aha, das ist also die Batterie. Also braucht es Blickfänger wie den SLS AMG und den 918er.

Auch solche wie der BMW i3. Wer über das Messegelände stromert, kann unfreiwillig Bekanntschaft mit diesen Elektroautos machen. Einige fahren dort – lautlos.  Elektromotoren surren nur leise, die Autos schleichen sind an. BMW will sein Elektroauto tatsächlich losschlagen. Dafür darf der Besucher sogar in einen Simulator, der allerdings nicht viel mehr als ein Sessel, ein Monitor und ein Gaspedal. Doch die Erfahrung ist verblüffend. Ein tritt aufs Pedal und der Elektroflitzer düst los. Man drischt über eine rote, virtuelle Ampel und rauscht einem virtuellen Auto volle Kanne ins Heck.  Man spürt die satte Beschleunigung, wird in den Sitz gepresst. Unglaublich. Außerstehende sehen, wie das funktioniert: Der Simulatorsitz schwingt nach hinten, bis der „Fahrer“ nahezu flach liegt.DSC_9947

VW hat Elektro-Golf und e-up! dabei. Beide parken jedoch simpel in der Messenhalle. Einfallslos, aber hier soll die Masse von Deutschlands Autokäufern zugreifen. Audi versucht es bei seinem „A3 e-tronic“ mit Bäumen. Die hängen komischerweise von der Hallendecke. Keine Ahnung, was uns das sagen soll. Da macht der grüne Kunstrasen mehr Sinn. Irgendwie passt grün zu öko.

Man spürt es überdeutlich: Großes bahnt sich in der Autobranche an. Firmen, die etwas auf sich halten, bauen Elektroautos. Außer Bughatti und Co. Die bleiben sich treu: Sie verschleudern Sprit (und Geld). Die wollen wir genau so mit ihren Boliden bei Autoshows sehen. Natürlich mit scharfen Modells auf dem Lack.IMG_2522 

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