Die zwei Gesichter der Hells Angels

Die zwei Gesichter der Hells Angels zeigen sich auch in der schwäbischen Provinz. Am 16. Juni heiratete der Reutlinger Charter-Präsident Ingo Dura – in der evangelischen Marienkirche, in der Fußgängerzone der Stadt. 400 Rocker aus aller Welt sangen in der Kirche wie Ministranten.
(Quelle: Screenshot http://www.hellsangels-reutlingen.de)

Zwei Tage später standen zwei Reutlinger Hells Angels vor dem Landgericht Tübingen, 15 Kilometer von der Kirche entfernt. Sie sollen einen Mann halb totgeprügelt haben. Der Staatsanwalt klagt sie wegen versuchten Totschlags an. Einer der Angeklagten wird am zweiten Prozesstag in Fußfesseln vorgeführt. Er war beim Auftakt geflohen und hatte den Staatsanwalt niedergeschlagen.

Es liegt nahe, dass die Angeklagten unter den Hochzeitsgästen waren.

Eine Reportage über die Janusköpfigkeit der Hells Angels ist soeben im STERN erschienen (Heft 27/2012, Seite 30), für die Geschichte habe ich recherchiert.

Der Bräutigam trägt einen schwarzen Anzug, ein schwarzes Hemd, um den Hals hat eine rote Krawatte gebunden, ins Knopfloch eine Rose gesteckt. Er steht vor der evangelischen Marienkirche in Reutlingen in der Sonne, breitet die Arme aus wie ein Rockstar. Auf dem Rücken des Jacketts steht „Hell´s Angels World“.

Der Bräutigam Ingo Dura ist Präsident der Reutlinger Hell´s Angels. Er führt seine Frau Ulrike Mader zum Traualtar. Vor der Kirche stehen zig Harley Davidsons von 450 Rockern. 2000 Schaulustige recken die Hälse.

„Geh aus, mein Herz“ spielt die Orgel zum Einzug. Auch der Trauspruch ist ein Gassenhauer aus dem Hohelied: „Liebe ist stark wie der Tod, durch nichts zu besiegen.“ In den Kirchenbänken sitzen Rocken in ihren Kutten und singen die Kirchenlied mit. Pfarrer Andreas Biehl hat die Jacken erlaubt.

Übrigens: Trauzeuge war der Präsident des Hannoveraner Charters, Frank Hanebuth. Die Ortsgruppe hat sich vor wenigen Tagen aufgelöst.

Prozess wegen versuchten Totschlags

Bei jedem Schritt klirrt die Kette auf dem Holzboden. Christian S., 45, betritt den Gerichtssaal in Fußketten. Während des EM-Endspiels 2008 sollen er und sein Kumpel Matthias D. einen Mann halb totgeprügelt haben. Die Anklage lautet auf versuchten Totschlag.

Auf S. schwarzem T-Shirt steht „Hells Angels forever“, D. hat im Gerichtssaal sogar die Kutte der Rocker an: „Hells Angels Reutlingen“. Er ist Vizepräsident des Charters.

Das Landgericht Tübingen ist schwer bewacht. Am Eingang stehen 50 Polizisten, sie haben MPs dabei und Videokameras.

Eine Sympathisantin der Hells Angels verteilt im Gericht Flugblätter. Sie beklagt „Rechtsbrüche, Entrechtung und Rechtsbeugung“ gegen die Rocker. Das Gericht hatte S. für verhandlungsfähig erklärt, die Angels sahen das anders. Vor dem Gericht skandieren sie „Freiheit für Chris!“

Mehr über die Hells Angels im STERN.

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