Der Staatsanwalt und die Rebellenführer

Die Situation ist grotesk. In einem Gerichtssaal in Stuttgart sitzen sechs Richter, zwei Staatsanwälte, vier Verteidiger und zwei Angeklagte. Der Zeuge sitzt in Kigali, Ruanda, im Herzen Afrikas. Theogewe N., ein schmächtige Mann, war Funker der Rebellenarmee FDLR, die im Grenzland zwischen Ruanda und dem Kongo marodierte. Ein einfacher Soldat, durch dessen Hand jedoch Befehle von höchster Ebene gingen. Jetzt sagt er gegen die Befehlshaber von damals aus: Ignace Murwanashyaka und Straton Musoni. Die Bundesanwaltschaft klagt sie wegen Kriegsverbrechen an.Ruanda Schädel

Für die Stuttgarter und Badische Zeitung habe ich eine Zwischenbilanz nach mehr als 200 Prozesstagen geschrieben. Der Text wurde vom Journalismusportal reportagen.fm zu den drei lesenswertesten Geschichten der Woche gekürt. Weiterlesen

Die zwei Gesichter der Hells Angels

Die zwei Gesichter der Hells Angels zeigen sich auch in der schwäbischen Provinz. Am 16. Juni heiratete der Reutlinger Charter-Präsident Ingo Dura – in der evangelischen Marienkirche, in der Fußgängerzone der Stadt. 400 Rocker aus aller Welt sangen in der Kirche wie Ministranten.
(Quelle: Screenshot http://www.hellsangels-reutlingen.de)

Zwei Tage später standen zwei Reutlinger Hells Angels vor dem Landgericht Tübingen, 15 Kilometer von der Kirche entfernt. Sie sollen einen Mann halb totgeprügelt haben. Der Staatsanwalt klagt sie wegen versuchten Totschlags an. Einer der Angeklagten wird am zweiten Prozesstag in Fußfesseln vorgeführt. Er war beim Auftakt geflohen und hatte den Staatsanwalt niedergeschlagen.

Es liegt nahe, dass die Angeklagten unter den Hochzeitsgästen waren.

Eine Reportage über die Janusköpfigkeit der Hells Angels ist soeben im STERN erschienen (Heft 27/2012, Seite 30), für die Geschichte habe ich recherchiert. Weiterlesen