Der Staatsanwalt und die Rebellenführer

Die Situation ist grotesk. In einem Gerichtssaal in Stuttgart sitzen sechs Richter, zwei Staatsanwälte, vier Verteidiger und zwei Angeklagte. Der Zeuge sitzt in Kigali, Ruanda, im Herzen Afrikas. Theogewe N., ein schmächtige Mann, war Funker der Rebellenarmee FDLR, die im Grenzland zwischen Ruanda und dem Kongo marodierte. Ein einfacher Soldat, durch dessen Hand jedoch Befehle von höchster Ebene gingen. Jetzt sagt er gegen die Befehlshaber von damals aus: Ignace Murwanashyaka und Straton Musoni. Die Bundesanwaltschaft klagt sie wegen Kriegsverbrechen an.Ruanda Schädel

Für die Stuttgarter und Badische Zeitung habe ich eine Zwischenbilanz nach mehr als 200 Prozesstagen geschrieben. Der Text wurde vom Journalismusportal reportagen.fm zu den drei lesenswertesten Geschichten der Woche gekürt. Weiterlesen

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Hells Angels: Erst Traumhochzeit, jetzt Knast

Der Reutlinger „Präsident“ der Hells Angels muss wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung vier Jahre in den Knast. Ingo D. hat nach Überzeugung der Richter des Tübinger Landgerichts einem Kneipenwirt androht, ihm mit einem Hammer den Schädel einzuschlagen. Hintergrund war, dass der Wirt einen Freund Ds im Streit schwer verletzt haben soll.

Im Juni 2012 hatte sich Ingo D. von einer ganz anderen Seite gezeigt. Bei strahlend blauem Himmel führte er seine Freundin zum Traualtar. 450 Angels aus aller Welt priesen in der evangelischen Marienkirche Gott. Wie artige Chorknaben sangen sie von seiner Liebe, die Orgel spielte „Geh aus, mein Herz“. (Hier ist meine kleine Geschichte darüber.)

Schon damals stach die Doppelköpfigkeit der Hells Angels ins Auge: Am Tag nach der Hochzeitsfeier standen zwei der mutmaßlichen Gäste vor Gericht. Der Vorwurf: Versuchter Totschlag.

Ich habe Crack geraucht

„Yes, I have smoked crack cocaine.“ Torontos Bürgermeister Rob Ford hat gestanden. Allerdings habe er „in one of my drunken stupors“ geraucht. Ford gibt den reuigen Sünder, den Suffkopf, der jedoch kein Süchtiger sei. „To the residents of Toronto, I know I have let you down and I can’t do anything else but apologize and apologize, and I’m so sorry,“ sagt er. Ein Geständnis nach sechs Monaten lügen und leugnen.pic Rob Ford und Crack

Endlich war ein 90 Sekunden lange iPhone-Video aufgetaucht, das Ford mit einem Crackpfeifchen zeigt. Außerdem lallt er in rassistische und schwulenfeindliche Sprüche. Vor Fords Geständnis hatte Polizeichef Bill Blair mitgeteilt, die Polizei sei im Besitz des Filmes. In Polizeiunterlagen wird detailliert dargestellt, wie Fords Freund, Gelegenheitsfahrer und mutmaßlicher Drogendealer Alexander Lisi versucht hat, das Video zu finden – um es verschwinden zu lassen. Auf Fotos ist zu sehen, wie Lisi seinem Boss Päckchen zusteckt. Weiterlesen

Eine Geiselnahme?

Bei einer Leiche hüte man sich davor, sich vorschnell festzulegen, auf welche Weise der Tod herbeigeführt wurde. War es Mord? Totschlag? Gefährliche Körperverletzung? Notwehr? Eine Tat, die völlig abwegig als  „erweiterter Suizid“ bezeichnet wird? Wurde jemand ermordet oder getötet oder kam schlicht ums Leben?

Bei einer Geiselnahme liegen die Dinge anders. Einfacher. Hier der Geiselnehmer, dort die Geisel (nicht Geiselgeber). In Freiburg freilich rätselten 400 Polizisten und der Staatsanwalt auch nach der Tat, was der Täter denn getan hat. Hat er Geiseln genommen. Weiterlesen

„Police have no right to murder“

Sammy Yatim ist tot. Erschossen von einem Polizisten. Es ist Freitag kurz nach Mitternacht, der 18-Jährige steht in der Tür einer leeren Straßenbahn, er hat ein Messer in der Hand. Mehrere Polizisten umstellen das Fahrzeug. „Lass das Messer fallen“, rufen sie: „Lass das Messer fallen!“ Plötzlich fallen drei Schüsse. Nach wenigen Sekunden sechs weitere Schüsse in schneller Folge. Sammy sackt zusammen. Zwei Polizisten hasten zum Verletzen und setzen ihre Elektroschocker ein. Der Junge ist tot.Bild 1Neun Schüsse. Auf einen Jugendlichen, der keine Gefahr ist. Der die Polizisten zwar mit „Fucking pussy“ beschimpft, aber nicht angreift. Warum musste Sammy sterben? Diese Frage bewegt Toronto. Weiterlesen

Die mörderische Tat von Karlsruhe

Am 4. Juli erschoss Bernard K. vier Menschen und sich selbst. Gerichtsvollzieher und Schlüsseldienst waren gekommen, um K. aus der Wohnung zu holen. Zwangsräumung. Vor dem Haus warteten bereits die Möbelpacker. Auch der neue Eigentümer der Wohnung, der sie bei der Zwangsversteigerung gekauft hatte, kam hinzu. K. nahm Gerichtsvollzieher, Schlosser und Neueigentümer als Geiseln und tötete sie. Auch seine Lebensgefährtin, der die Wohnung gehörte, brachte er um. Dann steckte er die Wohnung im Karlsruher Kanalweg in Brand. Ein SEK stürmte und fand die Leichen.

Blumen und Kerzen vor dem Haus, in dem fünf Menschen starben

Als gesichert gilt inzwischen, dass K. spielsüchtig war. Viel Geld soll er beim Glücksspiel an Automaten verloren haben. „Ich bin spielsüchtig“, hat er zum Wirt einer Kneipe gesagt, in der er häufig verkehrt ist. Als einziges Medium haben wir im STERN über die Sucht berichtet. Ob die Spielsucht Hintergrund für die Mord ist, wird für immer Spekulation bleiben.

Der Artikel „Höllisches Ende“ ist im STERN, 29/2012 erschienen.

Ein Artikel, der die Spielsucht ausführlicher thematisiert, wurde auf stern.de veröffentlicht.

Die zwei Gesichter der Hells Angels

Die zwei Gesichter der Hells Angels zeigen sich auch in der schwäbischen Provinz. Am 16. Juni heiratete der Reutlinger Charter-Präsident Ingo Dura – in der evangelischen Marienkirche, in der Fußgängerzone der Stadt. 400 Rocker aus aller Welt sangen in der Kirche wie Ministranten.
(Quelle: Screenshot http://www.hellsangels-reutlingen.de)

Zwei Tage später standen zwei Reutlinger Hells Angels vor dem Landgericht Tübingen, 15 Kilometer von der Kirche entfernt. Sie sollen einen Mann halb totgeprügelt haben. Der Staatsanwalt klagt sie wegen versuchten Totschlags an. Einer der Angeklagten wird am zweiten Prozesstag in Fußfesseln vorgeführt. Er war beim Auftakt geflohen und hatte den Staatsanwalt niedergeschlagen.

Es liegt nahe, dass die Angeklagten unter den Hochzeitsgästen waren.

Eine Reportage über die Janusköpfigkeit der Hells Angels ist soeben im STERN erschienen (Heft 27/2012, Seite 30), für die Geschichte habe ich recherchiert. Weiterlesen