Kanada: Welche Minderheit passt zu mir?

Wer ist Kanadier? Diese Frage beschäftigt die Menschen. „Kanadier ist, wer in einem Kanu Sex haben kann.“ Diesen Test haben sich die wenigsten unterzogen. Und zwar nicht aus Mangel an Booten oder Seen. Eine beliebte Selbst- und Fremdbeschreibung ist: „Wir sind nicht die USA. Wir sind nett.“Toronto Vier von Thompson Park

Während die Bürger der USA patriotisch Fahnen schwenken, ihre Hymne singen, dabei ihr über die Schulter hängendes Sturmgewehr beiseite schieben, ihre Hand aufs Herz legen, und stolz den Adler im Wappen tragen, ringen Kanadier mit sich. Als Zeichen ihrer Nettigkeit haben sie in die Landesflagge ein Blatt gezeichnet und den friedlichen Bieber als Staatstier auserkoren.Als wollten sie der Frage aus dem Weg gehen, herrscht derzeit ein Drang zur Minderheit. Wenn man schon nicht weiß, wer Kanadier ist, dann wenigsten Minderheit sein. Überspitzt gesagt ist Kanada das Land der Minderheiten, und jeder will möglichst vielen dieser „visible Minorities“ angehören.

Beliebt ist es derzeit, sich zum Indianer erklären zu lassen, in dem man seine Wurzeln im Volk der Mi`kmaq entdeckt. Kürzlich lief die Frist ab, in der Kanadier ihren Anspruch auf die Zugehörigkeit zu dieser First Nation erheben konnten, der in Labrador daheim ist. Erstaunt waren Regierung und Stamm, als 100.000 Neuindianer Schlange standen, hatte man doch lediglich rund 25.000 erwartet. Nachdenklich stimmt, das nur jeder Dritte in Labrador leben. Freilich steckt bei vielen tatsächlich die Suche nach den Wurzeln hinter dem Wunsch, offiziell Indianer zu sein.DSC_1503

Unter Kanadiern wahrscheinlich europäischer Abstammung kursiert der Tipp, sich die EU-Bürgerschaft zu sichern. Vornehmlich die schottische, was die dortigen Separatisten freuen wird, gewinnen sie doch gegenüber England an Gewicht. Der Weg der Kandier nach Europa führt dabei nur geographisch über den Atlantik, wurzelmäßig jedoch über Ur-Ur-Ur-Opa, selig.

So ist es denkbar, dass ein Kanadier der Minderheit der Mi`kmaq, jenem Volk in Labrador, angehört oder Meti ist, ein Nachfahren von Indianer-Frauen und Franzosen, und zugleich den britischen Pass besitzt.

Einzig die Quebequis sind bei der Identitätsfrage der Kanadier eindeutig: „Wir nicht!“ Beziehungsweise selbstredend: „Pas nous!“

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