Die Torontonians lieben ihre Islands. Mugg’s und Algonquin, South und Forestry, Ward’s und Centre Island, Snake und Olympic, sie alle werden geherzt. Tausende Stadtmenschen schaukeln an warmen Sommertagen auf Fähren hinüber. Kinder fahren in „Centreville“ Karussell, Freizügige lassen hinterm Gibraltar Point die Hüllen fallen, weil dort der Badeanzug nur „optional“ zu tragen ist.
Doch bei all der bunten Sommerfrische bergen die Inseln Melancholie. Zumindest kann man sie einfangen, beobachtet man gelangweilte Lifeguards, die dem Feierabend um 6.30 pm entgegenfiebern. Ein dramatischer Himmel trägt seinen Teil zur Stimmung abseits lauten Gelächters bei. Doch keine Sorge, niemand wird beim Blick auf den offenen Lake Ontario, wo sich Wasser und Himmel küssen, so traurig, dass er ins Wasser geht. Das wäre schon allein wegen der dösenden Rettungsschwimmer unmöglich.
Zur Hauptinsel führt übrigens eine der kürzesten fahrplanmäßigen Fährverbindungen der Welt. Nur eine Minute dauert die Überfahrt über den Western Channel zum Billy Bishop Airport.
Hier donnern Turboprops über die Startbahn beziehungsweise schweben leise ein, bis der Umkehrschub für Radau sorgt. Das kann die Stimmung allerdings nicht versauen, allenfalls in Sehnsucht nach der Ferne verwandeln.