Bauboom in der Höhe: Brüder, zur Sonne

Toronto strebt nach Höherem. Die Stadt will hoch hinaus. Jeder, der kann, reckt sich gen Himmel. Nirgends in Nordamerika drehen sich mehr Baukräne als hier, sagt ein Reiseführer. Freilich sind diese nicht die zuverlässigste Informationsquelle, wir nehmen die Tatsache leichter Hand als Fakt und legen die Köpfe in den Nacken. DSC_7952

Wohnturm um Wohnturm wächst in Toronto empor. Bevorzug freilich dort, wo der See nicht weit ist und der Blick vordergründig unverbaubar ist. Stahl, Glas, Beton und Beton, Glas und Stahl.Klassenkämpferisch gesehen sind die Türme eine Errungenschaft: Menschen ziehen ein, nicht Moneten, Bewohner statt Banken. Statt gestapelte Büros beherbergen die Bauten „2-Zimmer, Küche, Bad“ oder dergleichen. Freilich nicht für jeden Geldbeutel und nicht zu jedermanns Freude.

Da wird das architektonische Einerlei beklagt, eben der Dreiklang aus Stahl, Beton und Glas. Glitzertürme mit ungezählten Balkonen. Da wird beklagt, insbesondere in Seenähe werde die Stadt vom Wasser abgeriegelt, das Ufer gewissermaßen privatisiert.DSC_8118

Urbanisten wiederum argumentieren, lieber Condos stapeln als den Brei von Suburbia weiter auszuwellen. Aufzug statt Stau zur Rushhour (Warum eigentlich „rush“, wo doch der Verkehr zum Erliegen kommt?)

Guckt man dem Ballett der Baukräne zu und denkt zugleich an die Kellerwohnung, in der man für teures Geld haust, fragt man sich: Torontonier, wie lebt ihr eigentlich?DSC_7972

Wohnen in der Stadt ist schweineteuer. Für ein schmales Häuschen sind 600.000 Dollar günstig, und dann liegt die Immobilie keinesfalls in Prachtlage. Mieten unter 1.000 Dollar? Vergessen Sie’s! Toronto und der Speckgürtel boomen. Allerdings werden Warnungen  laut: Die hohen Kosten schadeten der Wirtschaft.

Zeitungen schreiben zaghaft: Wohnungen über 1 Million Dollar sind schwer verkäuflich, Investoren schöben neue Projekte auf die lange Bank, um sich auf den Verkauf bestehender 4-Wände zu konzentrieren.DSC_7899

Für Bildkünstler birgt der Bauboom Risiken. Ansichten der Stadt ändern sich so schnell, dass Archivfotos rasch als solche enttarnt werden.
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