Wird’s dunkel, hat der Zug Toronto erreicht

Unter  Gegnern von Stuttgarts unterirdischem Bahnhof macht dieser Witz die Runde: „Papa, sind wir schon in Stuttgart?“ „Nein. Frag’ doch nicht in jedem Tunnel!“ Abgesehen davon, dass es auf den Bahnstrecken zwischen Quebec City, Montreal und Toronto keine Tunnel gibt, ist ein solches Vater-Sohn-Gespräch auch in Kanada denkbar. Wird es am helllichten Tage dunkel, liegt das mit hoher Wahrscheinlichkeit daran, dass der Zug im Bahnhof der drei Städte eingefahren ist.DSC_6403Foto: Gut zu erkennen: Quebec City

In Quebec ist der Bahnhof ein durchaus ansprechendes Gebäude. Ein weiteres Plus ist, dass Überlandbusse exakt am selben Platz halten, was nebenbei bemerkt in Montreal und Toronto gänzlich anders ist. Doch, oh Wunder, Reisende werden ins Halbdunkel geschickt, wo sie Gleise und Bahnsteige finden. Der obige Fotobeweis Nummer Eins belegt dies.Keine der Großstadtstationen liegt im Untergrund. Architekten und Bahnmanager hielten es offenbar für pfiffig, die Bahnhofgebäude dergestalt über den Gleisen zu errichten, dass kein Lichtstrahl die Plattformen erreicht.

Üppige Deckenbeleuchtung könnte dies beheben, Kanadier haben damit Erfahrung, schließlich erstrecken sich unter Montreal und Toronto unterirdische Städte mit tausenden Geschäften und Restaurants. Doch die Bahn verzichtet weitgehend auf Kunstlicht.DSC_6413Foto: Haben Sie’s erkannt? Montreal

Die Wartehalle in Montreal kann man getrost als licht und hell bezeichnen, wenn es auch Schwierigkeiten bereitet, den Bahnhof im Straßenbild auszumachen. Er befindet sich unter dem Queen Elisabeth-Hotel. Zu den Zügen gelangt der Reisende über Rolltreppen und Stiegen – ins Halbdunkel.

Torontos Bahnhof, dies sei angemerkt, erhält gerade ein Facelifting. Der lebendigste Verkehrsknoten der Stadt ist eine Großbaustelle. Wer zum Zug muss, dem sei geraten: Suchen Sie das Haltdunkel.

Sollten sie nach Toronto reisen: Wird’s dunkel, sind Sie da.

DSC_6422Foto: Torontos Union Station

Um dem negativen Zungenschlag die Schärfe zu nehmen: Das Reisen mit VIA Rail ist bequem und angenehm. Die Sitze sind breit, die Beine haben genügend Platz, es gibt ausreichend Stauraum für Gepäck. Der Schaffner erklärt den Reisenden an den Notausgängen, wie sie im Ernstfall die Scheiben fachgerecht einschlagen. Ein weiterer Fahrgast wird darin geschult, bei Gefahr die Wagontür zu öffnen.

(Im Bus nach Montreal erlebt der Reisende ebenfalls ein dunkles Wunder, falls er von New York startet. Der zentrale Busbahnhof der Port Authority am Hudson ist mehrere Stockwerke hoch, nicht tief, und trotzdem ein halbdunkles Bollwerk. In Montreal ist der  Gare d’autocars eine lichte Wonne mit WiFi!)

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