Ich habe Crack geraucht

„Yes, I have smoked crack cocaine.“ Torontos Bürgermeister Rob Ford hat gestanden. Allerdings habe er „in one of my drunken stupors“ geraucht. Ford gibt den reuigen Sünder, den Suffkopf, der jedoch kein Süchtiger sei. „To the residents of Toronto, I know I have let you down and I can’t do anything else but apologize and apologize, and I’m so sorry,“ sagt er. Ein Geständnis nach sechs Monaten lügen und leugnen.pic Rob Ford und Crack

Endlich war ein 90 Sekunden lange iPhone-Video aufgetaucht, das Ford mit einem Crackpfeifchen zeigt. Außerdem lallt er in rassistische und schwulenfeindliche Sprüche. Vor Fords Geständnis hatte Polizeichef Bill Blair mitgeteilt, die Polizei sei im Besitz des Filmes. In Polizeiunterlagen wird detailliert dargestellt, wie Fords Freund, Gelegenheitsfahrer und mutmaßlicher Drogendealer Alexander Lisi versucht hat, das Video zu finden – um es verschwinden zu lassen. Auf Fotos ist zu sehen, wie Lisi seinem Boss Päckchen zusteckt.Die Tatsache, dass Ford Crack geraucht hat und fröhlich dem Alkohol zuneigt, ist nur ein Teil der Geschichte. Die New York Times kommentiert gemein: „Toronto is starting to get interesting. It has become a city making a spectacle of itself.“

Dass Ford Journalisten als „pathologische Lügner“ beschimpft hat, nachdem der Toronto Star und die US-Internetseite Gawker im Mai von dem Video berichtet hatten, mag man ihm als Politiker-Folklore nachsehen.

Erschreckender ist, in welchem Milieu Ford zu verkehren scheint. Im Mai war der Kurzfilm drei Journalisten unter konspirativen Bedingungen gezeigt worden. In einem Gebäudekomplex in der Dixon Road. Just dort stellten wenige Tage später massive Polizeieinheiten jede Wohnung auf den Kopf. Unter dem Decknamen „Traveler“ wurde nach Drogen gesucht. Mag sein, dass die Aktion seit langem geplant war. Mag aber auch sein, dass bei der Gelegenheit der Anbieter des Videos festgenommen wurde – und der Film so verschwand.

Bisher war das Video nämlich nicht öffentlich aufgetaucht. Die Somalier, die es für 200.000 Dollar angeboten hatten, waren plötzlich verschwunden, obwohl das Geld bereit lag. Gawker hatte die Summe per Crowdfunding unter dem Titel „Crackstarter“ aufgetrieben – und schließlich gespendet.

In Zeitungen gedruckt wurde freilich ein Foto, auf dem Ford in freundschaftlicher Umarmung mit zwielichtigen Gestalten zu sehen ist, von denen eine zwischenzeitlich erschossen wurde. Fotografiert wurde die Gruppe vor einem Haus, in dem sich Drogendealer und Konsumenten die Klinke in die Hand geben. Jetzt wurde das Video bei Alexander Lisi gefunden.

Ja, er habe Crack geraucht – aber nie gelogen, sagt der politische Überlebenskünstler Ford. Schließlich sei er nicht abhängig und konnte bisher nichts zu dem Video sagen, weil er ja von dessen Existenz nichts wusste. Siehe Suff. Er ist ein toller Hecht, die Journalisten Pfeifen: „So, I wasn’t lying. You didn’t ask the correct questions.”

Rücktritt? Den sogar die Sun fordert, sonst Ford treu ergeben. Von wegen! „I was elected to do a job and that’s exactly what I’m going to continue doing.“ Aus Liebe zum Kleinen Mann, für den er den Stadthauhalt zusammenstreicht. „I love saving taxpayers money.“

Die „Ford Nation“ wird zu ihm stehen. Sie wird sagen „Ein Hund, ein Pfundskerl, einer wie wir!“ Eine Jugendsünde – Ford ist 44 – sei sein Zug an der Crackpfeife.

Vielleicht hat er ja nicht inhaliert. Mit der Ausrede kam einst Bill Clinton davon.

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