Der Staatsanwalt und die Rebellenführer

Die Situation ist grotesk. In einem Gerichtssaal in Stuttgart sitzen sechs Richter, zwei Staatsanwälte, vier Verteidiger und zwei Angeklagte. Der Zeuge sitzt in Kigali, Ruanda, im Herzen Afrikas. Theogewe N., ein schmächtige Mann, war Funker der Rebellenarmee FDLR, die im Grenzland zwischen Ruanda und dem Kongo marodierte. Ein einfacher Soldat, durch dessen Hand jedoch Befehle von höchster Ebene gingen. Jetzt sagt er gegen die Befehlshaber von damals aus: Ignace Murwanashyaka und Straton Musoni. Die Bundesanwaltschaft klagt sie wegen Kriegsverbrechen an.Ruanda Schädel

Für die Stuttgarter und Badische Zeitung habe ich eine Zwischenbilanz nach mehr als 200 Prozesstagen geschrieben. Der Text wurde vom Journalismusportal reportagen.fm zu den drei lesenswertesten Geschichten der Woche gekürt. Weiterlesen

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„Police have no right to murder“

Sammy Yatim ist tot. Erschossen von einem Polizisten. Es ist Freitag kurz nach Mitternacht, der 18-Jährige steht in der Tür einer leeren Straßenbahn, er hat ein Messer in der Hand. Mehrere Polizisten umstellen das Fahrzeug. „Lass das Messer fallen“, rufen sie: „Lass das Messer fallen!“ Plötzlich fallen drei Schüsse. Nach wenigen Sekunden sechs weitere Schüsse in schneller Folge. Sammy sackt zusammen. Zwei Polizisten hasten zum Verletzen und setzen ihre Elektroschocker ein. Der Junge ist tot.Bild 1Neun Schüsse. Auf einen Jugendlichen, der keine Gefahr ist. Der die Polizisten zwar mit „Fucking pussy“ beschimpft, aber nicht angreift. Warum musste Sammy sterben? Diese Frage bewegt Toronto. Weiterlesen

Die mörderische Tat von Karlsruhe

Am 4. Juli erschoss Bernard K. vier Menschen und sich selbst. Gerichtsvollzieher und Schlüsseldienst waren gekommen, um K. aus der Wohnung zu holen. Zwangsräumung. Vor dem Haus warteten bereits die Möbelpacker. Auch der neue Eigentümer der Wohnung, der sie bei der Zwangsversteigerung gekauft hatte, kam hinzu. K. nahm Gerichtsvollzieher, Schlosser und Neueigentümer als Geiseln und tötete sie. Auch seine Lebensgefährtin, der die Wohnung gehörte, brachte er um. Dann steckte er die Wohnung im Karlsruher Kanalweg in Brand. Ein SEK stürmte und fand die Leichen.

Blumen und Kerzen vor dem Haus, in dem fünf Menschen starben

Als gesichert gilt inzwischen, dass K. spielsüchtig war. Viel Geld soll er beim Glücksspiel an Automaten verloren haben. „Ich bin spielsüchtig“, hat er zum Wirt einer Kneipe gesagt, in der er häufig verkehrt ist. Als einziges Medium haben wir im STERN über die Sucht berichtet. Ob die Spielsucht Hintergrund für die Mord ist, wird für immer Spekulation bleiben.

Der Artikel „Höllisches Ende“ ist im STERN, 29/2012 erschienen.

Ein Artikel, der die Spielsucht ausführlicher thematisiert, wurde auf stern.de veröffentlicht.