Die Schöne und der See

Toronto ist lebendig, geschäftig, bunt. Kurz: Wunderbar. Multikulti in Reinkultur. In der Subway von der Yonge Street ins Bloordale Village kann ich nicht widerstehen, Paare zu belauschen, die sich auf Portugiesisch unterhalten. Im kleinen Grocerystore auf der Ecke gibt es „Pao“ und „Leite“. Im Supermarkt liegt Torontos brasilianische Zeitung aus.IMG_8429Klein Portugal, klein Brasilien? Freilich, doch in den Fenstern vieler Häuser kleben kanadische Flaggen, daneben das rot-grüne und grün-gelbe Tuch Portugals und Brasiliens. In unserem Viertel wohnen zudem zahlreiche Inder. Frauen tragen Saris, einige Männer die Turbane der Sikhs. Die Menschen sind stolz auf ihre Wurzeln in aller Welt. Zugleich sind sie stolz, Kanadier zu sein. Weiterlesen

Wird’s dunkel, hat der Zug Toronto erreicht

Unter  Gegnern von Stuttgarts unterirdischem Bahnhof macht dieser Witz die Runde: „Papa, sind wir schon in Stuttgart?“ „Nein. Frag’ doch nicht in jedem Tunnel!“ Abgesehen davon, dass es auf den Bahnstrecken zwischen Quebec City, Montreal und Toronto keine Tunnel gibt, ist ein solches Vater-Sohn-Gespräch auch in Kanada denkbar. Wird es am helllichten Tage dunkel, liegt das mit hoher Wahrscheinlichkeit daran, dass der Zug im Bahnhof der drei Städte eingefahren ist.DSC_6403Foto: Gut zu erkennen: Quebec City

In Quebec ist der Bahnhof ein durchaus ansprechendes Gebäude. Ein weiteres Plus ist, dass Überlandbusse exakt am selben Platz halten, was nebenbei bemerkt in Montreal und Toronto gänzlich anders ist. Doch, oh Wunder, Reisende werden ins Halbdunkel geschickt, wo sie Gleise und Bahnsteige finden. Der obige Fotobeweis Nummer Eins belegt dies. Weiterlesen

„The war on cars is over!“

Es scheint in der Natur von Buben zu stecken, mit Baggern zu spielen. Im Sandkasten überlassen sie Förmchen den Mädchen. Als Erwachsene den Hasenfüßen, Zauderern, zart Besaiteten. Echte Kerle baggern. Echte Kerle wie Rob Ford, Torontos stiernäckiger Bürgermeister. Er darf  die Erde der Stadt aufbrechen, Gräben ziehen – und eine U-Bahn bauen.DSC_3572

Mit dem Versprechen, Schienen in den Untergrund zu treiben, hat er Herz und Wählerhand viele Vorortbewohner gewonnen, Angehörige der „Ford-Nation“. Er hat menschliche Gräben gezogen, die Fordianer abgegrenzt von diesen radfahrenden Kreativen, den Innenstadtmenschen, deren Handys klingeln, wählt man die 416. Seine Fans sind die 905er. Ford hat die Stadt gespalten – auch über die Frage der U-Bahn. Weiterlesen

Fluss oder Fjord? Rätsel am Sankt-Lorenz-Strom

40 km bin ich in meinem gesamten Leben noch nicht geschwommen. In jedem Jahr knapp 1.000 Meter? Niemals. Von einer Flussüberquerung sollte ich hier folglich Abstand nehmen.DSC_580940 km ist der Sankt-Lorenz-Strom im verschlafenen Nest Baie-des-Sables breit. Das gegenüberliegende Ufer ist nur bei bester Sicht auszumachen. Weiterlesen

EdgeWalk: Toronto am Abgrund

Meine Mama hat häufig gewarnt: „Du gehst am Rande einer Backpfeife spazieren.“ Soetwas hinterlässt bei einem Knaben tiefe Wunden. Jahrelang habe ich darunter gelitten und Spaziergänge gemieden. Ich bin gewalkt und gewandert, gehastet, geilt und geschlendert, auch geschlichen und stolziert. Jetzt habe ich das Spaziergangs-Trauma überwunden und das Gehen am Rande mittels Konfrontationstherapie besiegt.EdgeWalk pic für blog

30 Minuten EdgeWalk auf dem CN Tower in Toronto, und ich war geheilt. Dafür hat mich ein Virus infiziert: Ich will wieder rauf! Weiterlesen

Das Duell: Toronto oder Venice? Kanada oder Kalifornien?

Der Sand! Der macht den Unterschied. In Venice wird er von Salzwasser angelandet, in Toronto von Süßwasser. Überhaupt, der Salzgehalt der Luft. Riecht ganz anders. Die Muscheln, kein Vergleich. Die Amerikaner am Strand: besser gebaut, bräuner, surfbebretterter.DSC_5087

Das Geld: Dollar hier wie da, hier aber mit Queen. Die Sonnenuntergänge: Dort schon um Acht passé, hier erst nach Neun….

Lassen wir das endlich. Venice und der Anhang namens Los Angeles ist klasse, wovon ich mich einige Tage überzeugen durfte, und Toronto ist zauberhaft, was ich seit Wochen erlebe. (Diashow auf der nächsten Seite.) Weiterlesen

Kanada: Welche Minderheit passt zu mir?

Wer ist Kanadier? Diese Frage beschäftigt die Menschen. „Kanadier ist, wer in einem Kanu Sex haben kann.“ Diesen Test haben sich die wenigsten unterzogen. Und zwar nicht aus Mangel an Booten oder Seen. Eine beliebte Selbst- und Fremdbeschreibung ist: „Wir sind nicht die USA. Wir sind nett.“Toronto Vier von Thompson Park

Während die Bürger der USA patriotisch Fahnen schwenken, ihre Hymne singen, dabei ihr über die Schulter hängendes Sturmgewehr beiseite schieben, ihre Hand aufs Herz legen, und stolz den Adler im Wappen tragen, ringen Kanadier mit sich. Als Zeichen ihrer Nettigkeit haben sie in die Landesflagge ein Blatt gezeichnet und den friedlichen Bieber als Staatstier auserkoren. Weiterlesen

Toronto: Die Stadt, der Bürgermeister und die Crack-Pfeife (UPDATE)

Toronto ist eine saubere Stadt. Clean gewissermaßen. Drogen? Nicht der Rede wert. Gibt es kaum. Aus Komikersicht könnte es an ihm liegen, an Bürgermeister Rob Ford. „He’s cleaning up the city by smoking all the crack in it.“pic Rob Ford und Crack

Und das mit einer einzigen Crackpfeife. Gemein, so etwas zu behaupten, nur weil Ford in einem Video an einer Glaspfeife nuckelt, rotgesichtig lallt und „fucking“ sagt. Überhaupt, wer ist denn vertrauendwürdiger: Ford oder die somalischen Drogendealer, die nicht nur Crack anbieten – sondern auch das Video. Kostenpunkt 200.000 Dollar. Weiterlesen

„Heartbroken Nation“ – Bruins vermöbeln Maple Leafs

Hier sollte von einem Frühlingsmärchen erzählt werden. Fotos sollten vor Freude taumelnde Menschen zeigen. Die Toronto Maple Leafs sollten die Bruins aus Boston vermöbelt haben. Der Underdog den Champion. „Go, Leafs, go!“
Heartbrocken Nation

4:1 haben die Leafs geführt. Uneinholbar, so schien es – bis elfeinhalb Minuten vor Abpfiff. Sie haben’s versiebt. Weiterlesen

Kanada: Ahornsirup-Ernte ist eingefahren

Der Winter ist vorüber, es herrscht kein Nachtfrost mehr – die Ahornbäume brauchen jetzt Saft und Kraft, um zu knospen. Die Ernte für Ahornsirup ist somit eingefahren.

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Ich habe nicht gezählt, wie oft ich den süßen Saft probiert habe, pur wie er aus dem Baum tropfte. Wie oft ich mit einer Tasse aus der Pfanne geschlotzt habe, in der der Saft zu Sirup einkochte. Und wie oft ich „Oh my god! Is that good“ geseufzt habe, wenn ich abends probieren durfte, wie der Sirup des Tages schmeckt. Weiterlesen